Business Analysis als Grundlage für eine erfolgreiche Computerized System Validation

Verfasst von Steffen Reuter

Geschäftsanalyse als Grundlage für eine erfolgreiche Validierung computergestützter Systeme (2)

Einleitung

Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekte gehören zu den anspruchsvollsten Vorhaben in regulieren Industrien. Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen fachlichen Anforderungen, regulatorischen Vorgaben, technologischen Möglichkeiten und hohen Erwartungen der Anwender. Fehler in frühen Projektphasen können dabei erhebliche Auswirkungen auf Compliance, Projektkosten und Zeitpläne haben.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Business Analysis (BA). Ihre Qualität bestimmt häufig, ob eine Systemeinführung effizient, risikobasiert und regelkonform umgesetzt werden kann oder ob im weiteren Projektverlauf aufwendige Nacharbeiten, Verzögerungen und zusätzliche Risiken entstehen.

Dieser Artikel zeigt, wie eine strukturierte und fundierte Business Analysis die Grundlage für eine effektive, risikobasierte und schlanke Computerized System Validation (CSV) schafft. Dabei werden sowohl Erfahrungen aus der Projektpraxis als auch aktuelle regulatorische Erwartungen und bewährte Vorgehensweisen beleuchtet. 

LIMS-Einführung – Die Kosten einer unzureichenden Business Analysis

In unseren Projekten begegnen wir immer wieder Systemeinführungen, bei denen wichtige Aktivitäten der Business Analysis zu spät gestartet oder nicht mit der notwendigen Tiefe durchgeführt wurden. Das folgende fiktive, aber praxisnahe Beispiel einer LIMS-Einführung in einer standortübergreifenden Labororganisation bündelt typische Herausforderungen, die wir in verschiedenen Projekten beobachten. Es zeigt, wie sich Defizite in der Business Analysis auf Implementierung, Validierung, Compliance und Benutzerakzeptanz auswirken können.

Das bestehende LIMS war über Jahre hinweg stark angepasst worden und galt als technisch instabil. Die Entscheidung zur Einführung einer neuen Lösung war daher naheliegend. Bereits in der Vorprojektphase zeigten sich jedoch mehrere grundlegende Schwachstellen:

  • Es gab keine dokumentierten End-to-End-Prozesse.
  • Laborprozesse und Datenmanagement waren stark siloartig organisiert, eine Harmonisierung zwischen den Standorten fand nur in geringem Umfang statt
  • Prozessverantwortlichkeiten waren nicht eindeutig festgelegt, und wichtige Fachexperten standen nur eingeschränkt zur Verfügung.
  • Die User Requirements Specification (URS) bestand im Wesentlichen aus einer Sammlung von Anwenderwünschen, ohne klare Akzeptanzkriterien, nachvollziehbare Risikobetrachtung oder ein strukturiertes Requirements Engineering.
  • Weder ein Proof of Concept noch ein transparentes Konfigurationskonzept lagen vor.

Die Folgen dieser Ausgangssituation zeigten sich bereits in den frühen Projektphasen.

Zu Beginn bestand kein einheitliches Verständnis darüber, welche Funktionen das neue System tatsächlich bereitstellen sollte. Die verschiedenen Stakeholder interpretierten Anforderungen unterschiedlich, und es entstanden immer wieder Diskussionen darüber, welche Funktionen für den ersten Release zwingend notwendig waren und welche nicht.

Gleichzeitig blieb unklar, ob die dokumentierten Anforderungen alle kritischen Prozessschritte tatsächlich abdeckten oder ob zusätzliche manuelle Tätigkeiten erforderlich sein würden, um die Geschäftsprozesse vollständig abzubilden.

Auch die funktionale Risikoanalyse entwickelte sich zu einer Herausforderung. Aufgrund unklarer Anforderungen und einer fehlenden gemeinsamen Sicht auf die Prozesse musste das Projektteam viele grundlegende Fragestellungen erst während der Analyse klären. Dies führte zu mehreren Anpassungen des Projektplans und verzögerte wichtige Entscheidungen. Am Ende war das Team zufrieden, für jede Anforderung zumindest ein Risiko identifiziert und bewertet zu haben. Zusätzliche Sicherheit versprach die Zusage des Softwareanbieters, sämtliche Funktionen im Rahmen der Operational Qualification (OQ) umfassend zu testen. Damit entfernte sich das Projekt jedoch zunehmend vom ursprünglich vorgesehenen risikobasierten Testansatz.

Spätestens während des User Acceptance Testing (UAT) wurden weitere Probleme sichtbar. Mehrere etablierte Geschäftsprozesse ließen sich im neuen System nicht wie erwartet durchführen. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass wichtige fachliche Anforderungen fehlten oder nicht ausreichend berücksichtigt worden waren. Die Folge waren zusätzliche Anforderungen, kurzfristige Anpassungen und verschiedene Workarounds, um den geplanten Go-Live-Termin dennoch halten zu können.

Auch die Traceability bereitete zunehmend Schwierigkeiten. Die Verbindung zwischen Prozess, Anforderung, Risiko und Testfall ließ sich nur mit erheblichem Aufwand nachvollziehen. Darüber hinaus war häufig unklar, welche Auswirkungen Änderungen auf bereits getestete Funktionen hatten. Umfangreiche Regressionstests sowie zusätzliche Review- und Freigaberunden wurden notwendig. Der Projektaufwand stieg spürbar, und die Belastung für das Projektteam nahm kontinuierlich zu.

Als die Lösung schließlich in die Produktionsumgebung überführt werden sollte, zeigte sich ein weiteres Problem: Wichtige Aktivitäten zur Betriebsbereitschaft waren noch nicht abgeschlossen. Standard Operating Procedures (SOPs), Schulungsunterlagen und Anwendertrainings befanden sich noch in Bearbeitung, obwohl der Go-Live unmittelbar bevorstand.

Entsprechend verhalten fiel die Akzeptanz der Anwender aus. Die Unzufriedenheit in den Laboren nahm zu, und viele Nutzer hatten den Eindruck, dass die neue Lösung ihre tägliche Arbeit nur unzureichend unterstützte. Statt der erwarteten modernen und effizienten Plattform erhielten sie ein System, das ihre tatsächlichen Arbeitsabläufe und Anforderungen nur teilweise abbildete. Die Folge war Frustration, geringes Vertrauen in das neue System und eine holprige Einführung in den operativen Betrieb.

BA als Grundlage für CSV 1

Wenn mangelnde Business Analysis zur Herausforderung für CSV wird

Eine unzureichende Business Analysis kann erhebliche Auswirkungen auf die Computerized System Validation (CSV) haben. Unklare, unvollständige oder fehlerhafte Anforderungen erhöhen nicht nur das Compliance-Risiko, sondern erschweren auch eine risikobasierte und effiziente Validierung. Werden Anforderungen übersehen oder besteht kein gemeinsames Verständnis über den Einsatzzweck (Inteded Use) eines Systems, werden diese Defizite oft erst in späteren Projektphasen sichtbar. Die Folgen sind Frustration bei den Anwendern, aufwendige Nacharbeiten, zusätzliche Validierungsaktivitäten, Terminverschiebungen und eine sinkende Akzeptanz der Lösung. Darüber hinaus erhöhen lückenhafte Dokumentation und mangelnde Traceability die Wahrscheinlichkeit von Audit-Findings und Inspektionsbefunden. Insgesamt steigen Validierungsaufwand, Projektkomplexität und Kosten erheblich.

Ein besonders häufiger Auslöser ist ein unzureichend definierter Intended Use, der sich oft bereits in einer schwachen oder unvollständigen URS widerspiegelt. Wird der Intended Use nicht konsequent aus den Geschäftsprozessen und tatsächlichen Arbeitsabläufen der Anwender abgeleitet, fällt es schwer nachzuweisen, dass das System für seinen vorgesehenen Zweck geeignet ist. Das Ergebnis sind Anforderungen, die den fachlichen Bedarf nur teilweise abdecken, Validierungsaktivitäten, die nicht auf die tatsächlichen Risiken abzielen, und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Compliance-Probleme oder operative Ineffizienzen.

Eine weitere häufige Schwachstelle besteht darin, dass Risikobewertungen erst beginnen, nachdem die Lösung bereits ausgewählt wurde. Der Fokus liegt dann oft ausschließlich auf der Systemfunktionalität, während die zugrunde liegenden Geschäftsprozesse kaum betrachtet werden. Eine wirksame Risikobewertung sollte jedoch bereits auf Prozessebene ansetzen. Dort lassen sich kritische Prozessschritte und die damit verbundenen Risiken identifizieren, bevor Designentscheidungen getroffen werden. Erst auf dieser Grundlage kann beurteilt werden, welche Funktionen, Kontrollen und Validierungsmaßnahmen tatsächlich erforderlich sind, um Risiken wirksam zu beherrschen.

In vielen Projekten lassen sich die eigentlichen Ursachen auf unzureichende Kommunikation und fehlende Abstimmung zwischen den Stakeholdern zurückführen. Fachliche Anforderungen werden nicht klar von gewünschten Funktionen unterschieden, Annahmen bleiben unausgesprochen und Erwartungen werden nicht ausreichend dokumentiert. Dadurch entstehen Unklarheiten, die zu Beginn eines Projekts oft unproblematisch erscheinen. Im weiteren Projektverlauf führen sie jedoch nicht selten zu erheblichem Zusatzaufwand, kostspieligen Nacharbeiten und steigenden Compliance-Risiken.

Nicht zuletzt spielt die Benutzerakzeptanz eine zentrale Rolle. Die Akzeptanz eines Systems entsteht nicht erst mit dem Go-Live, sondern entwickelt sich bereits in den frühen Projektphasen. Anwender erwarten, dass ihre Prozesse verstanden werden und sich ihre Arbeitsweise in der zukünftigen Lösung wiederfindet. Werden Anwender nicht angemessen eingebunden oder bleibt der Nutzen neuer Prozesse unklar, entstehen Widerstände und Frustration. Eine wirksame Business Analysis trägt daher nicht nur zur Compliance und Projektqualität bei, sondern schafft auch die Grundlage für eine nachhaltige Akzeptanz und erfolgreiche Nutzung des Systems.

BA als Grundlage für CSV 2

Wie Business Analysis eine erfolgreiche CSV unterstützt

Business Analysis wird häufig vor allem mit Prozessanalysen in Verbindung gebracht. Ihre Aufgaben reichen jedoch deutlich weiter. Eine wirksame Business Analysis umfasst zahlreiche Disziplinen, darunter Requirements Management, Stakeholder Management, Risikobewertung, Lösungsbewertung und die Begleitung organisatorischer Veränderungen.

Ziel der Business Analysis ist es, ein gemeinsames Verständnis der fachlichen Anforderungen zu schaffen, fundierte Entscheidungen zu ermöglichen und sicherzustellen, dass die gewählte Lösung den tatsächlichen Geschäftsanforderungen entspricht. Dadurch leistet sie einen wichtigen Beitrag über den gesamten Systemlebenszyklus hinweg – von der ersten Projektidee über die Implementierung und Validierung bis hin zum operativen Betrieb.

Für die Computerized System Validation sind diese Aktivitäten von besonderer Bedeutung. Sie schaffen Transparenz über Prozesse, Risiken und Anforderungen, fördern die Zusammenarbeit zwischen Fachbereich, Qualitätssicherung und IT und helfen dabei, Validierungsaktivitäten gezielt auf die tatsächlich kritischen Aspekte zu fokussieren. Auf diese Weise unterstützt Business Analysis einen effizienteren, regelkonformen und risikobasierten CSV-Ansatz. 

BA-Planung

Eine strukturierte BA-Planung bildet die Grundlage für alle weiteren Projektaktivitäten und trägt maßgeblich dazu bei, Validierungsaufwände planbarer und besser steuerbar zu machen. Sie definiert den Umfang, die Ziele und das Vorgehen der Business Analysis und schafft frühzeitig ein gemeinsames Verständnis über den Intended Use, die Systemgrenzen und die grundsätzliche Validierungsstrategie.

Ein wesentlicher Bestandteil der BA-Planung ist die gezielte Einbindung der relevanten Stakeholder zum richtigen Zeitpunkt. Dadurch können regulatorische Anforderungen früh berücksichtigt, Risiken identifiziert sowie Annahmen und Randbedingungen transparent dokumentiert werden. Gleichzeitig sorgt ein strukturiertes Vorgehen dafür, dass wichtige Entscheidungen nachvollziehbar getroffen und über den gesamten Projektverlauf hinweg konsistent verfolgt werden. 

Eine gute Planung schafft darüber hinaus die Voraussetzungen dafür, Validierungsaktivitäten mit dem gewählten Entwicklungsansatz in Einklang zu bringen. Ob klassisches Wasserfallmodell, iteratives Vorgehen oder agile Entwicklung – die erforderlichen CSV-Aktivitäten können frühzeitig berücksichtigt und sinnvoll in den Projektablauf integriert werden.

Klare Prozesse für Reviews und Freigaben sowie der Einsatz geeigneter Werkzeuge reduzieren Abstimmungsaufwand und schaffen transparente Verantwortlichkeiten. Dies verbessert nicht nur die Effizienz der Zusammenarbeit, sondern unterstützt auch die Traceability und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen über den gesamten Systemlebenszyklus hinweg. 

BA als Grundlage für CSV 3

Stakeholder Management

Ein wirksames Stakeholder Management stellt sicher, dass die richtigen Personen während des gesamten Projektverlaufs eingebunden werden und ihre Anforderungen, Erwartungen und Bedenken verstanden und berücksichtigt werden. Business Analysis schafft dabei die notwendigen Kommunikationsstrukturen, um unterschiedliche Interessen zusammenzuführen, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und Transparenz über Annahmen, Rahmenbedingungen und Einschränkungen herzustellen.

Gerade in regulierten Projekten treffen häufig unterschiedliche Perspektiven aufeinander. Fachbereiche fokussieren sich auf effiziente Prozesse und Benutzerfreundlichkeit, Qualitätssicherung auf Compliance-Anforderungen, die IT auf technische Umsetzbarkeit und Lieferanten auf die Möglichkeiten ihrer Standardlösung. Business Analysis hilft dabei, diese Sichtweisen frühzeitig abzustimmen und gemeinsame Ziele zu definieren. Dadurch entsteht eine gemeinsame Verantwortung für die Lösung und deren erfolgreiche Einführung. 

Für die Computerized System Validation spielt Stakeholder Management eine zentrale Rolle. Eine frühzeitige und kontinuierliche Einbindung der Stakeholder fördert die Akzeptanz des Systems und erhöht die Bereitschaft, aktiv an Risikoanalysen, Reviews, Tests und Freigabeaktivitäten mitzuwirken. Gleichzeitig werden potenzielle Einschränkungen, Zielkonflikte oder abweichende Erwartungen früh sichtbar, bevor daraus Projektrisiken und workarounds entstehen. Werden Stakeholder über den gesamten Lebenszyklus hinweg aktiv eingebunden, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass die eingeführte Lösung die tatsächlichen Geschäftsanforderungen erfüllt. Gleichzeitig lassen sich kostspielige Situationen vermeiden, in denen Anwender während des User Acceptance Testing oder kurz vor dem Go-Live feststellen, dass die implementierte Lösung nicht ihren Erwartungen oder ihrem tatsächlichen Bedarf entspricht.

Prozessanalyse

Die Prozessanalyse schafft ein strukturiertes Verständnis darüber, wie Arbeit heute durchgeführt wird und wie sie künftig durchgeführt werden soll. Durch die Analyse bestehender Prozesse, Schwachstellen, manueller Kontrollen und der damit verbundenen Risiken unterstützt die Business Analysis dabei, Zielprozesse zu definieren, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und geeignete Kontrollen sowie Risikominderungsmaßnahmen festzulegen.

Die Prozessanalyse bildet die Grundlage für eine Lösung, die den tatsächlichen Geschäftsanforderungen entspricht. Sie hilft aufzuzeigen, welche Prozessschritte vereinfacht, standardisiert oder automatisiert werden können und an welchen Stellen weiterhin manuelle Aktivitäten erforderlich sind. Gleichzeitig werden Kontrolllücken sichtbar, und operative sowie Compliance-Risiken können frühzeitig identifiziert werden.

Werden Prozesse verstanden, bevor Anforderungen definiert werden, können Validierungsaktivitäten gezielt auf die tatsächlich kritischen Bereiche ausgerichtet werden. Darüber hinaus lassen sich potenzielle Probleme und verborgene Schwachstellen in Prozessen bereits vor der Implementierung erkennen. Dies unterstützt fundiertere Entscheidungen und reduziert die Abhängigkeit von Annahmen und Workarounds. Eine wirksame Prozessanalyse stellt sicher, dass Anforderungen, Kontrollen und Validierungsaktivitäten mit den tatsächlichen Geschäftsprozessen abgestimmt sind. Das Ergebnis sind robustere Lösungen und Systeme, die ihren vorgesehenen Zweck zuverlässig erfüllen. 

Prozessrisikoanalyse

Die Prozessrisikoanalyse identifiziert und bewertet Risiken innerhalb von Geschäftsprozessen, bevor Anforderungen definiert oder Validierungsaktivitäten festgelegt werden. Durch die Bewertung von Faktoren wie GxP-Relevanz, geschäftlicher Kritikalität, Automatisierungsgrad, manuellen Eingriffen und Systemunterstützung hilft die Business Analysis dabei zu bestimmen, wo Kontrollen und isikominderungsmaßnahmen den größten Nutzen bringen.

Die frühzeitige Identifikation von Risiken ermöglicht es, geeignete Maßnahmen bereits von Beginn an in die Projektplanung zu integrieren. Prozessrisiken bilden die Grundlage für die Definition risikobasierter Anforderungen und unterstützen die Unterscheidung zwischen GxP-relevanten und geschäftskritischen Funktionen. Sie helfen dabei, das richtige Gleichgewicht zwischen technischen Kontrollen, die durch Systemfunktionen umgesetzt werden, und prozeduralen Kontrollen, die beispielsweise in SOPs oder Benutzerhandbüchern beschrieben werden, festzulegen. Nachdem im initialen Risk Assessment die GxP-Relevanz und die GAMP-Kategorie des Systems bewertet wurden, ermöglicht die frühzeitige Analyse des GxP- und Business-Impacts einzelner Prozesse und Prozessschritte eine gezieltere Ausrichtung der Compliance-Aktivitäten und eine bessere Kontrolle des Validierungsaufwands. Werden nichtkritische Prozesse oder Prozessschritte bereits vor der Auswahl einer Lösung oder der Genehmigung einer URS identifiziert, kann dies den Aufwand für Abstimmungen, Implementierung, funktionale Risikoanalysen und Tests erheblich reduzieren. Darüber hinaus können UATs und SOPs gezielt auf kritische Prozesse und Funktionen fokussiert werden. Dies ermöglicht ihre frühzeitige Erstellung und unterstützt einen reibungslosen Übergang in den produktiven Betrieb. Gleichzeitig schafft ein klares Verständnis darüber, welche Prozessschritte besonders kritisch sind, die Grundlage für risikobasierte UATs und stellt sicher, dass Benutzertests effizient bleiben und sich auf die geschäftlich relevanten Aspekte konzentrieren.

BA als Grundlage für CSV 4

Die Prozessrisikoanalyse unterstützt somit eine risikobasierte Validierungsstrategie, stärkt die Compliance und trägt dazu bei, dass Kontrollen dort implementiert werden, wo sie den größten Beitrag zur Risikominimierung leisten.

Requirements Engineering

Requirements Engineering übersetzt fachliche Anforderungen, Benutzererwartungen, regulatorische Vorgaben und Systemziele in eine strukturierte und nachvollziehbare Menge von Anforderungen. Die Business Analysis stellt sicher, dass Anforderungen auf der jeweils passenden Ebene definiert werden – von Business und User Requirements über Solution- und Transition Requirements bis hin zu nicht-funktionalen sowie Compliance-bezogenen Anforderungen.

Ein wirksames Requirements Engineering schafft eine klare und belastbare Grundlage für die Validierung. Anforderungen bilden den Intended Use des Systems präzise ab, sind SMART (spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und termingebunden) formuliert, testbar und bleiben dort, soweit möglich, unabhängig von einer konkreten technischen Lösungsumsetzung. Durch Priorisierung und klar definierte Akzeptanzkriterien können Implementierungs- und Validierungsaufwände auf die Anforderungen konzentriert werden, die den größten fachlichen und regulatorischen Mehrwert liefern. Ergänzend stellen Reviews durch Stakeholder und Validierungsexperten sicher, dass Anforderungen über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg eindeutig bleiben und mit den Geschäftsanforderungen sowie regulatorischen Erwartungen im Einklang stehen.

Gut definierte Anforderungen ermöglichen eine durchgängige Traceability von den Geschäftsanforderungen bis hin zu Test und Freigabe. Dadurch werden sowohl die Compliance als auch das Vertrauen in den validierten Zustand des Systems gestärkt.

Regulatorische Anforderungen, Leitlinien und die Bedeutung von Traceability

Business Analysis wird in regulatorischen Vorgaben zwar nicht ausdrücklich gefordert. Viele zentrale Anforderungen aus regulatorischen Leitlinien und Industriestandards lassen sich jedoch nur durch eine wirksame Business Analysis effizient und nachhaltig erfüllen.

Der EU GMP Annex 11 [1] fordert, dass die User Requirements Specification (URS) die erforderlichen Funktionen eines computergestützten Systems beschreibt und auf dokumentierten Risikobewertungen sowie einer Bewertung der GMP-Relevanz basiert. Darüber hinaus müssen Anforderungen über den gesamten Systemlebenszyklus hinweg nachvollziehbar bleiben. Das bedeutet, dass jede Anforderung eine klare fachliche Begründung besitzen und mit den Prozessrisiken verknüpft sein sollte, die sie adressiert. Ohne einen strukturierten BA-Prozess wird es zunehmend schwierig und aufwendig, diese Traceability sicherzustellen.

Die FDA Computer Software Assurance (CSA) Guidance [2] legt einen ähnlichen Schwerpunkt auf Intended Use und einen risikobasierten Assurance-Ansatz. Die Leitlinie berücksichtigt, dass Software abhängig von Funktionen und Anwendungsbereichen unterschiedliche Einsatzzwecke haben kann, und empfiehlt, Risiken auf dieser Ebene zu bewerten. Voraussetzung dafür ist ein Verständnis darüber, wie Anwender mit dem System arbeiten, welche Funktionen kritisch sind und wie diese die zugrunde liegenden Geschäftsprozesse unterstützen. Genau diese Informationen gehören zu den wesentlichen Ergebnissen einer effektiven Business Analysis.

Auch die zweite Ausgabe des ISPE GAMP® 5 [3] unterstreicht diesen Ansatz. Sie empfiehlt, Aktivitäten des Qualitätsrisikomanagements bereits auf Ebene der Geschäftsprozesse zu beginnen, bevor einzelne Systemfunktionen betrachtet werden. GAMP betont, dass Prozesse zunächst verstanden, kritische Prozessschritte und Risiken identifiziert und geeignete Kontrollen definiert werden sollten, bevor daraus Systemanforderungen abgeleitet werden. Auf diese Weise bleiben Anforderungen, Risikobewertungen, Testaktivitäten und prozedurale Kontrollen eng mit den tatsächlichen Geschäftsanforderungen verknüpft.

[1] EudraLex Band 4: Gute Herstellungspraxis – Anhang 11: Computergestützte Systeme

[2] FDA-Anforderungen an die Sicherheit von Computersystemen für Produktions- und Qualitätsmanagementsystem-Software

[3] ISPE GAMP 5-Leitfaden, 2. Auflage

Der Nutzen von Business Analysis für CSV

Eine gute Business Analysis ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche, effiziente und risikobasierte Computerized System Validation. Durch die Definition des Intended Use, das Verständnis der Geschäftsprozesse, die Identifikation von Risiken und die Abstimmung unterschiedlicher Stakeholder-Erwartungen schafft sie die Grundlage für Projekterfolg und Compliance.

Eine fundierte Business Analysis reduziert unnötigen Aufwand, indem sie kostspielige Nacharbeiten, unnötige Anpassungen und Lösungen vermeidet, die den tatsächlichen fachlichen Anforderungen nicht gerecht werden. Sie hilft dabei, die eigentlichen geschäftlichen Herausforderungen zu adressieren, statt lediglich einzelne Funktionswünsche umzusetzen. Durch die Verknüpfung von Geschäftszielen, regulatorischen Anforderungen und technischer Umsetzung unterstützt Business Analysis fundierte Entscheidungen auf Basis von Fakten und nachvollziehbaren Analysen anstelle von Annahmen.

Besonders im Kontext der CSV werden diese Vorteile deutlich. Ein klares Verständnis der Geschäftsprozesse, fundierte Risikobewertungen und klar formulierte Anforderungen schaffen eine durchgängige Traceability von den Geschäftsprozessen über Anforderungen und Kontrollen bis hin zu den Tests. Dadurch wird ein schlanker und risikobasierter Validierungsansatz ermöglicht, bei dem sich die Validierungsaktivitäten auf die tatsächlich kritischen Funktionen und Prozesse konzentrieren können. Gleichzeitig lassen sich unnötige Dokumentation, übermäßige Testaufwände und zusätzliche Review-Zyklen reduzieren. Das Ergebnis sind Lösungen, die die Anforderungen der Anwender besser erfüllen, eine höhere Akzeptanz bei den Stakeholdern erzielen und einen reibungsloseren Übergang in den operativen Betrieb unterstützen.

Business Analysis schafft Klarheit, bringt unterschiedliche Stakeholder auf ein gemeinsames Verständnis und bildet die Grundlage für eine schlanke, regelkonforme und risikobasierte Computerized System Validation.

Wie wega Sie unterstützen kann

Die wega Informatik AG unterstützt Unternehmen dabei, Computerized System Validation effizient, regelkonform und wirtschaftlich umzusetzen. Eine wesentliche Grundlage hierfür bildet eine fundierte Business Analysis, die fachliche Anforderungen, Risiken und regulatorische Erwartungen frühzeitig zusammenführt.
Das Leistungsportfolio von wega umfasst unter anderem: 

  • Planung und Strategieentwicklung für Business Analysis und CSV
  • Stakeholder Management und Moderation von Workshops
  • End-to-End-Prozessanalysen und Risikoanalysen
  • Requirements Engineering sowie Aufbau und Pflege von Traceability-Konzepten
  • Entwicklung von Validierungskonzepten und Unterstützung bei der Projektdurchführung
  • Schulungen, Coaching und Wissenstransfer

Mit jahrzehntelanger Mit jahrzehntelanger Erfahrung in den Bereichen Life Sciences, Laborinformatik und regulierte Umgebungen begleitet die wega Informatik AG ihre Kunden bei der erfolgreichen Einführung und Validierung komplexer Systeme. Dabei verbindet wega fundiertes Fachwissen in Business Analysis, CSV und Qualitätsmanagement mit umfassender Projekterfahrung aus einer Vielzahl von Digitalisierungs- und Transformationsprojekten. in den Bereichen Life Sciences, Laborinformatik und regulierte Umgebungen ist wega Ihr Partner beim Aufbau der Grundlagen für eine erfolgreiche CSV.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen oder Ihre konkreten Herausforderungen besprechen möchten, wenden Sie sich bitte an die wega Informatik AG.