Business Continuity mit Enterprise Chromatographie-Daten-Systeme

Wie betreibe ich meine Chromatographie, wenn die Chromatographie-Datensystem-Infrastruktur ausfällt

Geschrieben von Robin Frey, Piotr Kuchta and Lukas Graubner

Inhaltsübersicht
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    Einleitung

    Heute werden analytische Labormethoden wie die Chromatographie in einer Vielzahl von Branchen über CDS gesteuert und unterliegen strengen Richtlinien und Vorschriften. Für die meisten Unternehmen ist es unerlässlich, ihre analytischen Aktivitäten auch unter außergewöhnlichen Umständen aufrechtzuerhalten und dabei alle gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. TEST.

    Problemstellung

    Diese sogenannten CDS werden von Unternehmungen, vor allem in der Pharma Industrie auf Enterprise Level betrieben, durch welche eine adäquate Validierung, entsprechendes Changemanagement und die korrespondierende Dokumentation sichergestellt werden kann. Diese Systeme bestehen meistens aus einer zentralisierten, oder sogar Cloud basierten, Infrastruktur und dedizierten Clients welche zur Datenaufzeichnung neben den Instrumenten lokalisiert werden (Client-Server Infrastruktur).

    Abbildung 1 - Allgemein - Client Server Setup
    Abbildung 1 - Allgemein - Client Server Setup

    Kommt es in einer solchen Infrastruktur zu einem Kommunikationsunterbruch (Netzwerkverbindungsunterbruch) zwischen Client und Server, muss eine Fortführung der analytischen Tätigkeiten gewährleistet werden (Business Continuity). Einerseits müssen laufende Analysen fertig gemessen (kein Abbruch der Datenaufzeichnung) und ausgewertet werden. Andererseits sollen neue Analysen entsprechend erstellt, gestartet und auch ausgewertet werden können.

    Anforderungen 

    Aus regulatorischer Sicht müssen die Datenintegritätsprinzipien nach ALCOA+ eingehalten werden und eine lückenlose Nachverfolgbarkeit der Daten muss auch in einer solchen Ausnahmesituation gewährleistet sein.

    Zudem müssen Abbrüche oder Unterbrüche in der Datenaufzeichnung und Datenbearbeitung verhindert werden, damit die Produktionsabläufe weitgehend ungestört bleiben.

    Realistisches Beispielszenario 

    Bei Umbauarbeiten im Laborgebäude passiert ein Missgeschick und, unter anderem, wird die primäre und sekundäre Netzwerkverkabelung in der Steigzone des Gebäudes beschädigt. Dies hat zur Folge, dass das Chromatographie Labor keine Netzwerkverbindung zum Unternehmensnetzwerk mehr hat. Da die Server Infrastruktur des Chromatographie Datensystems nicht im selben Gebäude beherbergt ist, ist auch ein Zugriff auf die Zentrale Datenablage nicht mehr möglich. Die Reparatur der Verkabelung in der Steigzone dauert sicher drei bis fünf Arbeitstage. Die Produktionsräume sind davon jedoch nicht betroffen. Im Zeitraum des Ausfalls ist die Produktion von mehreren Produkten mit Gegenwert einiger Millionen Franken geplant. Wenn die Freigabe im Chromatographie Labor nicht erfolgen kann, können die hergestellten Waren nicht freigegeben werden und es entsteht ein Produktions-Stopp mit immensem wirtschaftlichen Schaden.

    Generelle Beschreibung der Lösungen

    Die drei weit verbreitetsten Chromatographie Datensysteme arbeiten alle mit lokalen Client Computern, an welche die Chromatographie Instrumente direkt angeschlossen sind. Je nach Hersteller werden diese Clients unterschiedlich genannt - Waters: LAC/E ; Agilent: Agilent Instrument Controller AIC; Thermo Scientific: Instrument Controller IC oder IPC. Diese lokalen Computer haben die primäre Aufgabe, die akquirierten Daten zu puffern, bevor sie auf dem Server endgültig gespeichert werden. Diese Pufferung ist im Falle eines Netzwerkausfalls das Kernstück zur Weiterführung der laufenden Chromatographie. Die lokalen Clients können gleichzeitig als Softwareclient der Chromatographie Daten Systeme fungieren, wenn daran Bildschirm, Tastatur und Maus angeschlossen sind.

    Abbildung 2 - Allgemein - Client zum Datenpuffer
    Abbildung 2 - Allgemein - Client zum Datenpuffer

    Fragen die zu beantworten sind

    Daraus ergeben sich folgende Fragen, die für den Ausnahmefall des Netzwerkunterbruchs zu beantworten sind:

      • Sind Softwarelizenzen und die Benutzerverwaltung, wenn das Netzwerk ausfällt, noch verfügbar?

     

      • Werden laufende Messreihen ohne Unterbruch weitergemessen?

     

      • Können Messungen an eine laufende Messreihe, die vor dem Unterbruch gestartet wurde, angehängt werden?

     

      • Können die Daten einer laufenden Messreihe, die vor dem Unterbruch gestartet wurde, auch während des Unterbruchs ausgewertet werden?

     

      • Können neue Messreihen gestartet werden?

     

      • Können bestehende (validierte ) Methoden und Report Templates weiterhin verwendet werden?

     

      • Können neue Messreihen ausgewertet und freigegeben werden während eines Unterbruchs?

     

      • Werden die während der Unterbrechung erfassten Daten vollständig mit dem Server synchronisiert?

     

      • Sind alle während des Netzwerkausfalls durchgeführten Vorgänge auch ohne manuelle Dokumentation vollständig nachvollziehbar?

     

     

    Verfügbare Funktionen in den aktuellen Versionen der drei meist verbreiten Chromatographie Daten Systemen

    (in alphabetischer Reihenfolge nach Hersteller)

    In den folgenden drei Abschnitten, wird der jeweilige Lösungsansatz der drei ausgewählten Hersteller im Detail beschrieben. Im nächsten Kapitel wird zusammenfassend analysiert, wie die obigen Fragen für die jeweiligen Systeme zu beantworten sind.

    Agilent OpenLab CDS 2.8

    Agilent nennt die Lösung zur Überbrückung von Netzwerkausfällen zwischen Server Infrastruktur und dem AIC den Acquisition Failover Mode. Der Failover Mode ist eine Standardfunktion, welche nicht zusätzlich Lizenziert werden muss und wird ausgelöst, sobald die Verbindung zwischen dem AIC und der Server Infrastruktur unterbrochen wird. Jegliche Verbindung eines Remote Clients wird ebenfalls über den Verlust der Verbindung informiert und darauf hingewiesen, dass die Möglichkeit der Verwendung des Failover Modes besteht.

    Abbildung 3 - Agilent OpenLab CDS - Verbindung verloren
    Abbildung 3 - Agilent OpenLab CDS - Verbindung verloren

    Um ein Gerät im Failover Mode zu betreiben, muss man den entsprechenden AIC welcher zu dem Gerät gehört identifizieren und sich lokal am Betriebssystem dieses Computers anmelden, entweder lokal mit Bildschirm, Tastatur und Maus, oder wenn Teile des Netzwerks noch funktionieren, über eine Remote Desktop Verbindung (RDP).

    Am AIC öffnet man das OpenLab Control Panel, welches dann die Option des Failover Modes vorschlägt:

    Abbildung 4 - Agilent OpenLab CDS –failover mode Aktivierung
    Abbildung 4 - Agilent OpenLab CDS –failover mode Aktivierung

    Benutzt man nun den Failover Mode, werden alle Aktionen innerhalb der Software im Kontext des OpenLab System Users ausgeführt anstelle dem des authentifizierten Users. Ein entsprechender Hinweis in der Fussleiste des OpenLab Clients ist ersichtlich.

    Abbildung 5 - Agilent OpenLab CDS - Failover-Modus
    Abbildung 5 - Agilent OpenLab CDS - Failover-Modus

    Alle Methoden, Sequenzen und Report Templates, welche auf einem AIC im Normalbetrieb verwendet wurden, werden im Cache gespeichert und können im Failover Mode verwendet werden, um neue Einzelinjektionen oder Sequenzen zu erstellen. Ebenso können neue Methoden erstellt und verwendet werden. Allerdings werden neu erstellte Methoden nicht automatisch auf den Server synchronisiert, wenn die Verbindung zur Serverinfrastruktur wiederhergestellt wird.

    Projekte und Projekt Gruppen werden im Normalbetrieb alle 30 Minuten in den Cache des AICs synchronisiert. Alle synchronisierten Projekte können auch im Failover Mode verwendet werden.

    Im Failover Mode kann nur auf das Gerät, welches direkt mit dem AIC verbunden ist, zugegriffen werden.

    Das Erstellen neuer Projekte, das Konfigurieren neuer Geräte oder das umkonfigurieren bestehender Geräte ist im Failover Mode nicht möglich. Auch System Einstellungen können nicht verändert werden.

    Die Datenaufnahme und Auswertung erfolgt grundsätzlich identisch wie im Normalbetrieb, jedoch nicht mit dem normal zugewiesenen User und Zugriffsrechten , sondern mit vollen Systemrechten . Aufgrund des Failover Modes gibt es jedoch folgende Einschränkungen:

    • Injektionen und Sequenzen, welche während des Normalbetriebs gestartet oder gemessen wurden, können im Failover Mode weder bearbeitet noch angesehen werden.
    • Es können keine Snapshots (Zwischenergebnisse) von Sequenzen erstellt werden, welche im Normalbetrieb gestartet wurden.
    • Activity Log Einträge, die während des Failover Modes generiert wurden, werden nach dem Wiederherstellen der Verbindung zum Server zurücksynchronisieren und entsprechend mit Failover Mode markiert. Als Username wird jedoch der entsprechende Name des AICs eingetragen, da im Failover Mode keine Benutzerverwaltung zur Verfügung steht.
    • Sequenzen und Resultate, welche während dem Failover Mode erstellt wurden, werden entsprechend gekennzeichnet.

    Daten (Ergebnisdateien), die während des Failover-Modus generiert wurden, verbleiben im Cache auf dem AIC. Sobald die Verbindung zum Server wiederhergestellt ist, muss der Benutzer sie manuell mit dem Tool „Failover Results Uploader” mit dem Server synchronisieren. Sobald die Daten mit dem Server synchronisiert wurden, werden sie aus dem lokalen Cache entfernt.

    Abbildung 6 - Agilent OpenLab CDS – Failover Results Uploader
    Abbildung 6 - Agilent OpenLab CDS – Failover Results Uploader

    Jeder Benutzer, der sich an einem AIC anmelden kann, hat auch die Möglichkeit den Failover Mode zu verwenden. Alle Aktionen, die im Failover Mode durchgeführt wurden, werden dem Systembenutzer zugeordnet, da keine Authentifizierung des Benutzers gemacht wird, um den Failover Mode zu starten.

    Abbildung 7 - Agilent OpenLab CDS – Activity Log während Failover Mode
    Abbildung 7 - Agilent OpenLab CDS – Activity Log während Failover Mode
    Abbildung 8 - Agilent OpenLab CDS – Injection Audit Trail während Failover Mode
    Abbildung 8 - Agilent OpenLab CDS – Injection Audit Trail während Failover Mode

    Auch wenn neue Methoden im Failover Mode erstellt werden, wird dies im Audit Trail dem Systemuser zugeordnet.

    Sobald die Netzwerkverbindung wieder hergestellt wird, werden alle Sequenzen und Proben, welche während dem Failover Mode aufgezeichnet wurden, in den Activity Logs und Audit Trails entsprechend gekennzeichnet. Im Instrumenten Activity Log wird der System Benutzers zudem durch den Namen des AICs ersetzt.

    Agilent Technologies macht mehrmals den Hinweis, dass für den Ausnahmefall separate Prozeduren auf Kundenseite entwickelt werden müssen, um den Failover Mode entsprechend zu dokumentieren.

    Abbildung 9 - Agilent OpenLab CDS – Instrument Activity Log nach Failover Mode
    Abbildung 9 - Agilent OpenLab CDS – Instrument Activity Log nach Failover Mode

    Thermo Scientific Chromeleon 7.3.2 MUd

    Thermo Fisher nennt Ihre Lösung für das Sicherstellen der Business Continuity während des beschriebenen Szenarios Network Failure Protection (NFP). Dies ist eine Standardfunktion von Chromeleon und muss nicht zusätzlich lizenziert werden . Alle Systeminformationen werden konstant auf jeden lokalen PC synchronisiert. Die Lizenz wird für 7 Tage im Cache gehalten. Die benötigten Teile der Benutzerverwaltung werden ebenfalls lokal auf den IPC synchronisiert und gecached.

    Jede in Chromeleon gestartete Messreihe, in Chromeleon Sequenz genannt, wird während der Messung komplett in eine spezifische Data Vault auf dem IPC, die sogenannte XVault kopiert und konstant mit dem Server synchronisiert .

    Abbildung 10 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz Synchronisation
    Abbildung 10 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz Synchronisation

    Wenn das Netzwerk ausfällt, dann ist eine komplette Kopie der Daten in der XVault auf dem IPC vorhanden. Die Sequenz läuft ohne Unterbruch weiter.

    Abbildung 11 - Thermo Chromeleon 7 – NFP Situation
    Abbildung 11 - Thermo Chromeleon 7 – NFP Situation

    Nach einiger Zeit ist die Server DataVault vom IPC aus nicht mehr erreichbar und der Client zeigt eine gelbe Warnung, dass die Lizenz in 6 Tagen ablaufen wird. Dies da die zentrale Lizenz wird während 7 Tagen auf jedem Computer des Chromeleon Enterprise Systems gecached.

    Abbildung 12 - Thermo Chromeleon 7 – NFP Lizenz
    Abbildung 12 - Thermo Chromeleon 7 – NFP Lizenz

    Die Daten, welche in der XVault gespeichert sind, können in einer Chromeleon Client Session auf dem IPC indirekt über die Queue des Geräts aufgerufen werden. Chromeleon versucht konstant die Daten mit dem Server zu synchronisieren (Uploading).

    Abbildung 13 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz Uploading
    Abbildung 13 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz Uploading

    Nachdem die Sequenz abgeschlossen ist, wird sie nach einer Zeitüberschreitung der Upload-Versuche abgebrochen und als „Upload fehlgeschlagen“ markiert.

    Abbildung 14 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz Upload fehlgeschlagen
    Abbildung 14 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz Upload fehlgeschlagen

    In diesem Zustand ist es möglich, die Sequenz zu öffnen und entsprechend den Privilegien, welche der eingeloggte Nutzer hat, uneingeschränkt zu bearbeiten. Wenn das Report Template als Kopie in der Sequenz vorliegt, kann sogar ein elektronischer Report erstellt und elektronisch signiert werden. Wenn der Report mit der Sequenz verknüpft ist und somit auf dem Server liegt, kann kein Elektronischer Report erstellt werden, ausser man verwendet einen anderen lokalen Report.

    Zudem ist es möglich, der bestehenden Sequenz weitere Proben anzuhängen und diese zu messen, es ist aber auch möglich neue Sequenzen zu erstellen (auch als Kopie der in der Queue vorliegenden Sequenzen, sofern alle Objekte lokal vorliegen). Dazu muss man diese jedoch dem entsprechend verbundenen Instrument zuordnen bei der Erstellung:

    Abbildung 15 - Thermo Chromeleon 7 – Speicher der neuen Sequenz auf dem Instrument (XVault)
    Abbildung 15 - Thermo Chromeleon 7 – Speicher der neuen Sequenz auf dem Instrument (XVault)

    In der Folge erscheint der Hinweis, dass diese Sequenz nur vom aktuellen IPC aus verfügbar ist.

    Abbildung 16 - hermo Chromeleon 7 – Sequenz in Queue Mitteilung
    Abbildung 16 - hermo Chromeleon 7 – Sequenz in Queue Mitteilung

    Dieser Hinweis ist mit Chromeleon 7.3.2 falsch. Die Sequenz wird nicht automatisch der Queue hinzugefügt. Dies muss manuell erfolgen.

    Abbildung 17 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz der Queue hinzufügen
    Abbildung 17 - Thermo Chromeleon 7 – Sequenz der Queue hinzufügen

    Die so erstellten Sequenzen sind in der XVault gespeichert und verbleiben in der Queue des Instruments. Dies wird im Namen des Sequenzpfads klar ersichtlich dargestellt.

    Abbildung 18 - Thermo Chromeleon 7 – neue Sequenz in der XVault
    Abbildung 18 - Thermo Chromeleon 7 – neue Sequenz in der XVault

    Diese Sequenzen können aus der Queue des jeweiligen Instruments geöffnet und bearbeitet werden.

    Dies kann nun während der sieben Tage erfolgen, in denen die Lizenz gültig bleibt.
    Eine weitere mögliche Lösung für die Arbeit während der NFP wäre, die Sequenz- und Methodenvorlagen mit Hilfe des Schedulers in den dafür vorgesehenen lokalen Datenspeichern zu synchronisieren und diese dann in einer solchen Situation zu verwenden. Leider kann der XVault nicht offiziell für diesen Zweck verwendet werden, da der Scheduler keine Synchronisation mit ihm zulässt. (* siehe in diesem Kapitel)
    Wenn die Netzwerkverbindung nun wiederhergestellt ist, können die während des Ausfalls erstellten Sequenzen aus der Warteschlange entfernt werden. Dies muss manuell erfolgen. Beim Entfernen wird der Benutzer gefragt, wo auf dem Server diese Sequenzen gespeichert werden sollen.

    Abbildung 19 - Thermo Chromeleon 7 – entfernen der Sequenz aus der Queue
    Abbildung 19 - Thermo Chromeleon 7 – entfernen der Sequenz aus der Queue

    Eine, während dem NFP gemessene Sequenz kann nicht aus der Queue entfernt werden ohne sie mit dem Server zu synchronisieren. Damit ist gewährleistet, dass nach dem Wiederherstellen der Verbindung zum Server alle Daten auf den Server synchronisiert werden und nicht in der XVault verweilen. Es können alle Operationen, auch während des Ausfalls des Netzwerks, lückenlos dem einzelnen Nutzer nachgewiesen werden (volle Traceability). Zudem ist in den Preconditions des Instrument Audit Trails jeder Injektion ein entsprechender Hinweis zu finden, dass diese Daten, während eines NFPs aufgezeichnet wurden. Auch im Data Audit Trail der Sequenz kann man entsprechend identifizieren, dass die Sequenz, während eines NFPs erstellt wurde.

    Waters Empower 3.9.0 

    Zur Überbrückung von kürzeren Netzwerkunterbrüchen kann eine Waters Empower LAC/E (siehe Glossar) die gerade ausgeführten Messreihen, in Empower Sample Sets (siehe Glossar) genannt, puffern (Buffering Mode).

    Waters bietet für einen Aufpreis von ca. 700-900 € auf den Verkaufspreis einer normalen LAC/E die sogenannte BC LAC/E (siehe Glossar) . Diese bietet die Möglichkeit, in einen sogenannten BC LAC/E Modus umzuschalten, bei welchem die LAC/E zu einer lokalen Workstation (separierte Umgebung) wird, welche ohne Server Infrastruktur verwendet werden kann. Wobei jedoch gewisse Elemente wie Benutzerinformationen und Vorlagen mit Hilfe des Zusatztools Waters SecureSync in die lokale Datenbank synchronisiert werden können.

    Entsprechend der Konfiguration von Waters SecureSync werden definierte Daten wie Benutzer, Benutzer Typen, Benutzergruppen, Projekte und Systeme von der zentralen Server Infrastruktur in die lokale Datenbank der BC LAC/E synchronisiert (keine Rohdaten ). Die Synchronisation kann im Audit Trail und in Log Files nachvollzogen werden und auch im Message Center wird ein entsprechender Eintrag dokumentiert.

    Welche Projekte auf welche BC LAC/E synchronisiert werden, kann über die Vergabe von Access Gruppen verwaltet werden.

    Abbildung 20 - Waters Empower – SecureSync – Konfiguration des Zugriffs auf Projecte
    Abbildung 20 - Waters Empower – SecureSync – Konfiguration des Zugriffs auf Projecte

    Dasselbe gilt auch für Benutzer. Nur diejenigen welche einer definierten Benutzergruppe angehören werden auch in die Datenbank der BC LAC/E synchronisiert.

    Abbildung 21 - Waters Empower - SecureSync - Benutzersynchronisation 
    Abbildung 21 - Waters Empower - SecureSync - Benutzersynchronisation 

    Die Synchronisation der Informationen erfolgt auf jeder BC LAC/E separat einmal pro Woche und muss, über ein dafür vorgesehenes XML Konfigurations-File auf jeder BC LAC/E, konfiguriert werden (X:\Program Files (x86)\Waters\SecureSync\SecureSyncService.exe.config).

    Abbildung 22 - Waters Empower – SecureSync Konfiguration
    Abbildung 22 - Waters Empower – SecureSync Konfiguration

    Danach muss der SecureSync Dienst gestartet werden und eine entsprechende Synchronisierung erfolgt in wöchentlichen Abständen.

    Kommt es zum Netzwerk Ausfall, muss als erstes gewartet werden, bis alle laufenden Messungen abgeschlossen sind. Diese können erst wiederhergestellt und ausgewertet werden, wenn das Netzwerk erneut einsatzbereit ist.

    Um BC LAC/E im Business-Continuity-Modus zu verwenden, müssen alle Geräte und BC LAC/E selbst neu gestartet werden. Der WatersService und der SecureSync Service müssen gestoppt und deaktiviert werden.
    Sie können sich nun mit der „lokalen” Datenbank bei Waters Empower anmelden.

    Abbildung 23 - Waters Empower – Local Database Login
    Abbildung 23 - Waters Empower – Local Database Login

    Waters Empower kann danach wie gewohnt, unter Verwendung der lokalen Datenbank, benutzt werden wobei jedoch eine Limitierung auf die, an derjenigen BC LAC/E angeschlossenen Geräte und die Synchronisierten Benutzer und Projekte besteht.

    Ist die Netzwerkverbindung wieder hergestellt, müssen zuerst alle Messungen im Business Continuity Modus abgeschlossen werden. Danach muss von allen Projekten ein manuelles Backup auf eine externe Source erstellt werden, von welcher diese manuell ins Enterprise System importiert werden können. Die lokalen Projekte müssen manuell von der BC LAC/E gelöscht werden. Alle Systeme und die BC LAC/E müssen neu gestartet werden. Die angehaltenen Dienste WatersService und SecureSync müssen wieder aktiviert und gestartet werden. Es muss überprüft werden, ob die Daten, welche während des Netzwerkausfalls noch am Aufzeichnen waren, korrekt synchronisiert wurden (Recovery Log).

    Danach kann der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden.

    Schlussfolgerung

    Daraus ergibt sich folgende Auswertung der Antworten aus Kapitel 6:

    Sind Softwarelizenzen und die Benutzerverwaltung, wenn das Netzwerk ausfällt, noch verfügbar?
    Werden laufende Messreihen ohne Unterbruch weitergemessen?
    Können Messungen an eine laufende Messreihe, die vor dem Unterbruch gestartet wurde, angehängt werden?
    Können die Daten einer laufenden Messreihe, die vor dem Unterbruch gestartet wurde, auch während des Unterbruchs ausgewertet werden?
    Können neue Messreihen gestartet werden?
    Können bestehende (validierte ) Methoden und Report Templates weiterhin verwendet werden?
    Können neue Messreihen ausgewertet und freigegeben werden während eines Unterbruchs?
    Werden, während dem Unterbruch gemessene Daten vollständig auf den Server zurück synchronisiert?
    Sind alle Aktionen, die während dem Netzwerkausfall ausgeführt wurden (ohne manuelle Dokumentation), absolut lückenlos nachvollziehbar, (ohne manuelle Dokumentation)?

    ja / trifft zu 

    nein / ist nicht möglich 

    mit zusätzlicher Konfiguration / teilweise möglich 

    Zusammenfassung

    Alle drei Hersteller haben eine Lösung, um den Betrieb während eines Netzwerkausfalls fortzusetzen.

    Dies ist in Agilent OpenLab 2.8 standardmäßig eingebaut. Allerdings müssen in vielen Bereichen manuelle Verfahren hinzugefügt werden, um eine vollständige Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten, da alle Aktionen während des Ausfalls ohne Benutzerverwaltung stattfinden (Systembenutzer mit vollen Rechten). Darüber hinaus können Messungen, die vor dem Ausfall begonnen wurden, während des Ausfalls nicht verarbeitet werden. Nach Rücksprache mit Agilent wurde bestätigt, dass entsprechende Verbesserungen bereits auf der Roadmap stehen.

    Thermo Chromeleon 7.3.2 MUd enthält eigentlich alles, was man braucht. Allerdings sind die Funktionalitäten für den Endanwender nicht ersichtlich und nicht dokumentiert. Ohne vertiefte Chromeleon-Kenntnisse oder eine entsprechende Schulung ist ein Weiterbetrieb kaum möglich. Es wäre auch von großem Vorteil, wenn der Scheduler auch dazu genutzt werden könnte, Templates in XVault zu synchronisieren, damit diese im NRP verwendet werden können. (* siehe auch dieses Kapitel) 

    Bei Waters muss für die BC LAC/E Lösung ein Aufpreis bezahlt werden, damit die Benutzer und Templates mit SecureSync synchronisiert werden können und um eine lokale Lizenz zu erhalten , um im Ausnahmefall messen zu können. Trotzdem ist es nicht möglich, Messungen, die vor dem Ausfall gestartet wurden, während des Ausfalls zu bearbeiten. Die Zurückführung der Daten auf den Server und die Entfernung von Daten auf der LAC/E, die während des Ausfalls erzeugt wurden, ist ein vollständig manueller Prozess, welcher Export und Import der Daten beinhaltet und welche auf der BC LAC/E manuell gelöscht werden müssen. Zudem müssen auf der BC LAC/E Dienste gestoppt und gestartet werden, was erhöhte Privilegien auf der Ebene des Betriebssystems erfordert, welche wiederum ein Risiko im Normalbetrieb darstellen.

    Autoren

    RFR_Original

    Robin Frey

    Robin ist ein Consultant, Chromatographie Daten System (CDS) Spezialist und Labor Information Management System (LIMS) Experte mit umfangreicher Erfahrung in der Analyse, dem Service und der Wartung von Laborgeräten wie GC, MS und HPLC. Er bringt jahrelange Expertise des analytischen Labors und der Methodenentwicklung sowie der Digitalisierung von Laborprozessen mit und hat sich auf die Automatisierung von Berichterstattung und Prozessen in der Chromatographie Umgebungen spezialisiert. Robin hat zudem als zertifizierter Trainer unzählige Anwender in Chromatographie Daten Systemen und der Massenspektrometrie ausgebildet und bietet erstklassigen Support für Kunden. Er ist besonders versiert im Umgang mit Thermo Fisher Scientific-Produkten wie Chromeleon 6, Chromeleon 7, Xcalibur und Tracefinder sowie der Anwendung von HPLC, GC, MS, MSMS und hochauflösender Massenspektrometrie.

    PKU_Original

    Piotr Kuchta

    Piotr ist ein erfahrener Labor System Administrator und CSV Consultant mit einem Masterabschluss in Chemischer Technologie sowie einem postgradualen Abschluss in Computer Netzwerk Management and Design. Seit über zehn Jahren ist er in der regulierten pharmazeutischen Industrie tätig und hat sich dabei auf die Administration und Betreuung von Laborinformationssystemen wie Empower, LabX und weiteren Systemen spezialisiert. Darüber hinaus bringt er Erfahrung in der Qualifizierung analytischer Geräte sowie praktische Erfahrung in der Analyse kleiner Moleküle im Bereich der analytischen Entwicklung mit. Dank seiner Kombination aus technischem Know-how, analytischem Denken und tiefem Verständnis für regulatorische Anforderungen unterstützt Piotr Laborumgebungen in vielen verschiedenen Aspekten.

    LGR_Original

    Lukas Graubner

    Lukas ist Senior Consultant und ausgebildeter Chemielaborant mit fundierter Expertise als Enterprise Chromatographie Daten System (CDS) Spezialist. Seit vielen Jahren begleitet er die Installation, Konzeption, Qualifizierung und den Support von unternehmensweiten Chromatographie Daten System Lösungen – von der Systemarchitektur bis hin zur Schulung von Anwendern und Administratoren. Zusätzlich verfügt er über umfangreiche praktische Erfahrung in der Betreuung und Qualifizierung von HPLC-, IC- und MS-Systemen. Mit seinem tiefen Verständnis für GxP, Datenintegrität und 21 CFR Part 11 sorgt Lukas für regelkonforme, stabile und zukunftssichere Labor-IT-Lösungen – insbesondere im Umfeld von Thermo Fisher Scientific Chromeleon 6 und 7.

    wega ist ein herstellerneutraler Dienstleister, der Labore bei der Auswahl und Implementierung der passenden Softwarelösungen unterstützt. Mit erfahrenen, geschulten Mitarbeitenden bietet wega ein umfassendes Servicepaket rund um die in diesem Artikel verglichenen Systeme - Agilent OpenLab CDS, Waters Empower und Thermo Scientific Chromeleon. Die Leistungen reichen von strategischer IT-Beratung und Prozessanalyse über die Durchführung von Ausschreibungen bis hin zur Systembereitstellung und -konfiguration. Zudem unterstützt wega bei der Computer-System-Validierung, dem Projektmanagement und dem organisatorischen Wandel im Zuge der Digitalisierung. Ergänzt wird das Angebot durch Methoden- und Reportentwicklung , Support Verträge (SLA), Schnittstellenintegration sowie massgeschneiderte Schulungen für Anwender – stets mit dem Ziel, stabile, effiziente und regelkonforme Laborprozesse zu gewährleisten.

    Als Teil eines solchen Dienstes kann *wega auch die Synchronisation von Methoden und Sequenzvorlagen in XVault konfigurieren (siehe dieses Kapitel) 

    Glossar 

    Activity Log Activity Log Daten und System Audit Trail von Agilent OpenLab
    AIC Agilent Instrument Controller Client Computern, an welche die Chromatographie Instrumente direkt angeschlossen sind innerhalb von Agilent OpenLab CDS 2
    BC LAC/E Business Continuity Laboratory Acquisition Control Environment Ist ein Produkt mit Aufpreis zur normalen LAC/E, um sie im Ausnahmefall als standalone Client zu nutzen
    Data Vault Daten Container (Tresor) Thermo Fisher’s Markenname für die oberste Ebene der Datenstruktur welche jeweils aus einer Datenbank und dazugehörigen RAW Files besteht
    IPC oder IC  Instrument Controller PC Thermo Fisher’s Name für den PC welcher das Instrument steuert
    LAC/E Laboratory Acquisition Control Environment Ist ein Markenname von Waters für den standardisierten, von Waters vertriebenen, Instrument Controller PC
    NFP Network Failure Protection Thermo Fishers Lösung für Business Continuity bei Netzwerk- oder Serverausfällen in Chromeleon
    Sample Set Messreihe oder Sequenz Waters Namensgebung für die Zusammenstellung einer Messreihe
    Scheduler Thermo Chromeleon Scheduler Ein Scheduler Dienst in Chromeleon welcher das ausführen Zeitgesteuerter Aktionen, wie das replizierendas Replizieren von Templates, ermöglicht
    Sequenz Messreihe oder Sample Set Agilent und Thermo Namensgebung für die Zusammenstellung einer Messreihe
     XVault Versteckter Daten Container (Tresor) Thermo Markenname für die versteckte Data VaAult welche die Daten zwischenspeichert während der Aufzeichnung

    Quellenangaben

    Agilent:

    • Agilent OpenLab CDS - Acquisition Failover Users Guide (Edition: 02/2025)

    Thermo:

    • Thermo Scientific Product Spotlight - Ensure Business Continuity No 73781 (2020)

    Waters:

    • Empower Business Continuity LAC/E SecureSync - Installation and Configuration Guide (Doc No. 715008070 Version 01, Feb 2023)
    • Empower Business Continuity LAC/E SecureSync 2.1.0 - Release Notes (Doc No. 715008381 Version 00, Dec 2022)
    • Webinar - Informatics series 04 - Business Continuity & the BC LACE of 24. May 2023 held by Carsten Fischer

    Trademarks

    Empower™, LAC/E™, SecureSync™, Waters™ sind Marken der Waters Corporation.

    OpenLab CDS™ is a trademark of Agilent Technologies

    Chromeleon™ is a trademark of Thermo Fisher Scientific Inc